Was bleibt vom KI-Hype? Ein Blick in den Verlagsalltag 2026

Was bleibt vom KI-Hype? Ein Blick in den Verlagsalltag 2026

Was bleibt vom KI-Hype? Ein Blick in den Verlagsalltag 2026

Klappentexte, die eine KI vorschlägt, Manuskripte, die sie vorsortiert, Kampagnen, die sie mitplant: Was vor zwei Jahren noch Ausnahme war, ist 2026 in vielen Verlagen Alltag geworden. Wie weit verbreitet und wie unterschiedlich intensiv das tatsächlich ist, zeigt die zweite KI-Studie der IG Digital im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. 196 Fach- und Führungskräfte aus Verlagen unterschiedlicher Größe haben Auskunft gegeben, wofür sie Künstliche Intelligenz einsetzen, wie ernst sie das Thema strategisch nehmen und wo es noch hakt. Passend dazu trägt die Studie den programmatischen Titel „Vom Experiment zum Standard“.

Die Studie im Überblick

Die Erhebung lief als offene, anonymisierte Online-Umfrage zwischen Dezember 2025 und Januar 2026. Durchgeführt hat sie die IG Digital des Börsenvereins gemeinsam mit der Unternehmensberatung Highberg, in Kooperation mit dem Börsenblatt. Am Ende kamen 196 vollständige Datensätze zusammen, gegenüber 139 im Vorjahr. Bemerkenswert an der Stichprobe: 2026 haben deutlich mehr kleine und mittlere Verlage teilgenommen, dafür weniger Häuser mit mehr als 10 Millionen Euro Umsatz. Es ist bereits die zweite Auflage der Studie, wodurch sich erstmals ein Vergleich zum Vorjahr ziehen lässt.

Sprung bei der Relevanz: von 9 auf 31 Prozent

Der auffälligste Wert der Studie ist zugleich der einfachste: 2025 hielten neun Prozent der Befragten Künstliche Intelligenz für hoch oder sehr hoch relevant für ihr Geschäft. Ein Jahr später sind es 31 Prozent, mehr als eine Verdreifachung innerhalb von zwölf Monaten. Für die Zukunft rechnen die Verlage mit noch mehr Gewicht: 83 Prozent erwarten, dass KI bis 2031 hohe oder sehr hohe Relevanz für sie haben wird.

Wofür KI in Verlagen eingesetzt wird

Im Schnitt nutzt ein Verlag KI bereits für 3,7 unterschiedliche Anwendungsfälle. An der Spitze steht mit 69 Prozent die Erstellung und Bearbeitung von Inhalten, dicht gefolgt von Brainstorming und Recherche (66 Prozent) sowie der Aufbereitung und Aggregation von Inhalten (56 Prozent). Auch Marketing und Vertrieb (rund 49 Prozent) sowie Prozessoptimierung (42 Prozent) gehören längst zum Alltag. Weiter hinten liegen rechtliche Prüfungen und Lizenzfragen (29 Prozent), Produktentwicklung und neue Formate (24 Prozent), Backoffice-Aufgaben (18 Prozent) und der Kundenservice (14 Prozent). Technisch läuft der Großteil davon über reguläre Firmen- oder Einzellizenzen (62 Prozent). Rund 20 Prozent arbeiten dagegen mit selbstgebauten oder „unklaren“ Lösungen.

Strategie bleibt die Ausnahme

So verbreitet der praktische Einsatz ist, so selten ist die strategische Einbettung: Nur 31 Prozent der Verlage haben bereits eine dokumentierte KI-Strategie umgesetzt, ein weiteres Drittel plant das erst. Kompetenzen werden vor allem informell aufgebaut: über internen Austausch (61 Prozent), Schulungen und Weiterbildung (55 Prozent) sowie den Austausch innerhalb der Branche (49 Prozent). Gezielt KI-erfahrenes Personal rekrutieren dagegen nur 6 Prozent.

Großer Verlag, kleiner Verlag: zwei sehr unterschiedliche Risikobilder

Die Studie zeigt eine wachsende Kluft zwischen großen und kleinen Häusern. Bei Verlagen mit weniger als 1 Million Euro Umsatz sagen mittlerweile 33 Prozent, die Risiken von KI überwögen die Chancen; 2025 waren es erst 10 Prozent. Bei Verlagen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz ist es umgekehrt: Dort sehen 53 Prozent die Chancen klar im Vorteil, nach 39 Prozent im Vorjahr. Auch bei der Einschätzung konkreter Chancen (Skala 1 bis 5) liegen große Verlage in jeder Kategorie deutlich vorn: bei Prozesseffizienz (4,2 zu 3,3), Markt- und Trendanalysen (3,9 zu 2,7), Mitarbeiterproduktivität (4,0 zu 3,1) und Personalisierung des Angebots (3,8 zu 2,7).

Größte Hürden: Recht, Datenqualität, Output-Qualität

Nach den größten Hindernissen gefragt, nennen 56 Prozent der Verlage rechtliche Unsicherheiten, allen voran Urheberrechtsfragen, als Haupthürde, 45 Prozent Probleme mit der eigenen Datenqualität und 38 Prozent Zweifel an der Qualität der KI-generierten Ergebnisse selbst. Bei der Transparenz gegenüber Leser:innen ist noch viel Luft nach oben: Erst 28 Prozent kennzeichnen KI-Einsatz im Impressum, in Produkten oder auf der Website, und 37 Prozent haben den Rechtevorbehalt gegen KI-Training an den eigenen Werken (TDM-Opt-out) noch nicht umgesetzt (mehr Infos dazu finden Sie im ElephantPark-Artikel zum EU AI Act vom 20.06.2026)

Gegenbewegung: Das Label „Ohne KI“ von Loewe

Wie unterschiedlich Verlage mit der neuen Unsicherheit umgehen, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Der Kinder- und Jugendbuchverlag Loewe hat im Februar 2026 das Label „Ohne KI“ eingeführt. Es bescheinigt, dass ein Buch vollständig von Menschen geschrieben, illustriert und lektoriert wurde, abgesichert über vertragliche Vereinbarungen und interne Prüfprozesse, und erscheint auf den Cover-Abbildungen in Online-Shops. Der Hintergrund: Loewe rechnet damit, dass die gesetzliche Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte aus dem EU AI Act, inzwischen auf den 2. Dezember 2026 verschoben, in der Praxis so uneinheitlich durchgesetzt wird wie heute schon die Impressumspflicht bei vielen Self-Publishing-Angeboten. Der Verlag setzt deshalb auf ein eigenes, freiwilliges Gütesiegel statt auf die gesetzliche Vorgabe zu warten. Autor Markus Orths unterstützt die Initiative ausdrücklich: Wenn man der Verbreitung von KI-Inhalten nicht entgegenwirke, fehle es bald an Autor:innen und Verlagen.

Was bedeutet das für Verlage?

Die Studie zeichnet ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite ist KI 2026 in der Breite angekommen: Die Anwendungsfälle sind vielfältig, die Relevanz hat sich verdreifacht, und praktisch jeder Verlag nutzt die Technologie bereits in irgendeiner Form. Auf der anderen Seite hinken Strategie, Dokumentation und Kennzeichnung deutlich hinterher, ausgerechnet die Punkte, die der EU AI Act ab Dezember 2026 verbindlich einfordert. Wer heute schon eine KI-Strategie dokumentiert, Kennzeichnung mitdenkt und den Rechtevorbehalt sauber umsetzt, ist nicht nur rechtlich auf der sicheren Seite, sondern auch im Vergleich zu den 69 Prozent, die das bislang nicht tun, klar im Vorteil.

Für kleinere Verlage lohnt sich außerdem ein Blick auf die wachsende Kluft zur Größenklasse: Wo große Häuser eigene Kompetenzteams aufbauen, brauchen kleinere Verlage vor allem praktikable, klar begrenzte Einstiege statt umfassender Strategiepapiere: etwa über den meistgenannten Weg, den informellen Austausch mit anderen Verlagen. Und Initiativen wie das „Ohne KI“-Label von Loewe zeigen: Transparenz beim Thema KI lässt sich auch offensiv als Differenzierungsmerkmal nutzen, nicht nur als lästige Pflichtübung.

Vom Experiment zum Standard: noch nicht überall

Der Titel der Studie trifft den Kern: Aus dem Experiment mit einzelnen KI-Tools ist in vielen Verlagen ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags geworden. Zum Standard im eigentlichen Sinn, mit Strategie, klaren Regeln und Kennzeichnung, hat es sich bislang aber nur bei einer Minderheit entwickelt. Genau in dieser Lücke zwischen Praxis und Struktur liegt für die Buchbranche in den kommenden Jahren die eigentliche Aufgabe.

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Der EU AI Act

Was die neue KI-Verordnung für Verlage bedeutet

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Der EU AI Act

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Der EU AI Act

Was die neue KI-Verordnung für Verlage bedeutet

Künstliche Intelligenz schreibt Klappentexte, schlägt Titel vor, sortiert Manuskripte und beantwortet Leserfragen. Was vor wenigen Jahren noch Experiment war, gehört in vielen Verlagen längst zum Alltag. Mit dem EU AI Act gibt es jetzt zum ersten Mal einen umfassenden Rechtsrahmen für genau diese Technologie. Wir schauen uns an, was dahintersteckt und was die Verordnung für die Buchbranche heißt.

Was ist der EU AI Act?

Der European Artificial Intelligence Act ist der weltweit erste umfassende Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz. Sein Ziel klingt erst einmal abstrakt, ist aber wichtig: KI soll in Europa vertrauenswürdig, sicher und menschenzentriert eingesetzt werden. Statt jede Anwendung gleich zu behandeln, ordnet die Verordnung KI-Systeme nach ihrem Risiko ein. Je größer die möglichen Folgen für Menschen, desto strenger die Anforderungen.

In Kraft ist das Gesetz bereits seit dem 1. August 2024. Seine Pflichten greifen aber nicht auf einen Schlag, sondern nach einem gestaffelten Zeitplan über mehrere Jahre.

Was verboten ist

Einige Anwendungsmöglichkeiten werden im gesamten ausgeschlossen. Dazu gehören bestimmte Formen biometrischer Überwachung, das sogenannte Social Scoring, also das Bewerten von Menschen nach ihrem Verhalten, sowie KI-Systeme, die Menschen gezielt manipulieren. Diese Verbote gelten bereits. Zuletzt kam ein gezieltes Verbot von KI hinzu, die intime Inhalte ohne Einwilligung der abgebildeten Person erzeugt.

Urheberrecht und Trainingsdaten

Für Verlage ist ein anderer Punkt mindestens genauso spannend. Anbieter großer KI-Modelle müssen das europäische Urheberrecht einhalten. Konkret heißt das: Rechteinhaber dürfen der Nutzung ihrer Werke für das Training von KI widersprechen. Wer seine Inhalte schützen möchte, kann das also aktiv festlegen, und die Anbieter müssen Mechanismen einrichten, um diesen Vorbehalt zu respektieren.

Dazu kommt eine Pflicht zur Offenlegung. Anbieter müssen zusammenfassen und veröffentlichen, mit welchen Inhalten ihre Modelle trainiert wurden. Für eine Branche, deren Kapital aus Texten besteht, ist das ein wichtiges Detail. Zum ersten Mal entsteht eine rechtliche Grundlage, um nachzuvollziehen und mitzubestimmen, ob die eigenen Werke in KI-Systemen landen.

 

Der Zeitplan und was ab 2026 gilt

Das Herzstück des Zeitplans ist der 2. August 2026. Nach aktueller Rechtslage greift dann der Großteil der Verordnung. Dazu gehören die Transparenzpflichten, etwa die Kennzeichnung von KI-erzeugten Inhalten, die Anforderungen an sogenannte Hochrisiko-Systeme, eine öffentliche Registrierungsdatenbank und die Durchsetzungsbefugnisse der Behörden. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert empfindliche Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Der Zeitplan hat sich inzwischen geändert. Mit dem sogenannten „Digital Omnibus“ haben EU-Parlament und Rat einen Teil der Pflichten offiziell verschoben. Das Parlament stimmte am 16. Juni 2026 zu, der Rat nahm den Text am 29. Juni 2026 final an. Die strengen Anforderungen an Hochrisiko-Systeme greifen damit erst zum 2. Dezember 2027, für in Produkte eingebettete Systeme erst im August 2028. Die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt wird für Juli 2026 erwartet.

Für Verlage heißt das vor allem eins: Die neu gewonnene Zeit ist kein Grund, die Vorbereitung zu pausieren.

 

Was bedeutet das für Verlage?

Unterm Strich verschiebt der EU AI Act einiges zugunsten der Inhalteanbieter. Verlage bekommen mehr Kontrolle über ihre eigenen Werke und ihr Urheberrecht. Gleichzeitig sind neue Konflikte mit KI-Anbietern absehbar, etwa dann, wenn unklar bleibt, welche Inhalte tatsächlich für das Training verwendet wurden.

Auf der Pflichtenseite kommt die Kennzeichnung hinzu. Wo KI im Spiel ist, müssen Texte, Metadaten und Inhalte als solche erkennbar sein. Und schließlich lohnt es sich, frühzeitig interne Strukturen aufzubauen, also festzulegen, wer KI-Nutzung dokumentiert, prüft und verantwortet. Was nach Bürokratie klingt, ist in der Praxis vor allem eine Frage der Übersicht.

 

Werkzeug, kein Selbstläufer

Der EU AI Act macht deutlich, was wir an anderer Stelle schon beim Thema KI gesehen haben: Die Technologie bleibt ein Werkzeug, das Regeln und menschliche Aufsicht braucht. Für die Buchbranche ist die Verordnung dabei weniger Bedrohung als Chance, die eigenen Inhalte bewusster zu schützen und den Umgang mit KI auf eine klare Grundlage zu stellen. Wer den Zeitplan im Blick behält, ist gut vorbereitet, unabhängig davon wie die letzten Details ausgehen.

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Von der Leserschaft zur Community

Von der Leserschaft zur Community

Von der Leserschaft zur Community

Wie Fachverlage Nähe und Bindung aufbauen

Fachverlage begleiten Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich in ihren Themen weiterentwickeln wollen. Sie bieten Orientierung, halten Wissen aktuell und schaffen Zugänge zu komplexen Fachfragen. Lange geschah das vor allem über Zeitschriften, Bücher, Newsletter oder Tagungen. Heute sieht das anders aus. Wissen entsteht immer häufiger dort, wo Menschen miteinander sprechen und sich austauschen – nicht nur dort, wo Inhalte erscheinen.

Viele Verlage reagieren darauf und öffnen digitale Räume, in denen Fachleute Themen gemeinsam weiterdenken können. Die Fachpresse-Statistik 2024 zeigt deutlich, dass digitale Produkte und Veranstaltungsformate wachsen. Fachmedienhäuser nutzen sie, um näher an ihre Zielgruppen zu rücken und Austausch sichtbarer zu machen.

Community meint in diesem Kontext keinen Massenandrang. Es geht vielmehr um Orte, an denen Personen mit ähnlichen Herausforderungen miteinander ins Gespräch kommen und von den Erfahrungen anderer profitieren. Fachverlage bringen dafür viel mit: redaktionelle Kompetenz, Nähe zu ihren Themenfeldern und gewachsene Beziehungen in ihre Branchen. Auch die Rolle der Redaktion verändert sich. Sie bleibt kuratierend, tritt aber stärker in den Dialog. Aus Publikation wird Beziehung.

Von der Publikation zur Beziehung

Wie Informationen heutzutage gefunden werden, hat sich spürbar verändert. Inhalte werden nicht mehr nur aktiv gesucht, sondern erscheinen in Feeds, Messengerkanälen und anderen digitalen Umgebungen oft von selbst. Gleichzeitig bleibt die gezielte Suche ein zentraler Einstiegspunkt. Die ARD-ZDF-Onlinestudie 2023 zeigt, dass vier von fünf Menschen mindestens einmal pro Woche Suchfunktionen nutzen. Für viele sind digitale Wege damit der selbstverständliche Einstieg in Fach- und Nachrichtenthemen.

Damit wächst der Wunsch nach Einordnung: Was bedeutet eine Entwicklung für meinen Alltag, mein Team oder meine Branche? Wie gehen andere damit um? Welche Fragen stellen sie? Solche Orientierung entsteht nicht durch das reine Lesen eines Artikels. Sie entsteht im Austausch und in der Begegnung.

Die Mainzer Langzeitstudie Medienvertrauen macht deutlich, dass Menschen redaktionell verantworteten Medien deutlich mehr vertrauen als Informationen aus sozialen Netzwerken. Das spricht dafür, dass redaktionell betreute Räume mehr Glaubwürdigkeit vermitteln als unmoderierte Onlineumgebungen.

Ein fiktives Beispiel zeigt, wie das in der Praxis aussehen kann: Ein technischer Fachverlag bot ursprünglich eine reine Informationssprechstunde an. Doch die Gespräche entwickelten sich weiter. Die Redaktion griff Beiträge auf, stellte Fragen zurück und stellte Verbindungen zwischen Sichtweisen her. Aus einem Informationsangebot entstand ein gemeinsamer Denkraum – ein Ort, an dem sich Menschen fachlich austauschen konnten und sich ernst genommen fühlten.

Was Fach-Communities auszeichnet

Fach-Communities wachsen dort, wo Menschen über längere Zeit in Kontakt bleiben und ein gemeinsames Thema verbindet. Drei Dinge sind dabei besonders wichtig:

Eine sichtbare Redaktion

Sie setzt Impulse, schafft Orientierung und hält den Rahmen.

Regelmäßige Austauschformate

Wenn ein Treffen immer wieder stattfindet, entsteht Verlässlichkeit und die Beteiligung wächst.

Ein leichter Zugang

Je einfacher es ist mitzumachen, desto eher entsteht Beteiligung.

Die Forschung bestätigt, wie wertvoll solche Räume sein können. Zum Beispiel beschreibt das PrEval-Projekt der HSFK, dass Austauschstrukturen den das Teilen von Wissen verbessern und gemeinsame Lösungsansätze fördern können. Und eine aktuelle Studie zu Communities of Practice weist darauf hin, dass solche Gemeinschaften das organisationale Lernen sichtbar stärken.

Damit ist klar: Community entsteht nicht über Nacht. Sie wächst mit den Themen, mit den Menschen und mit der Zeit.

Moderation als Beziehungsarbeit

Moderation stellt das Herzstück redaktioneller Community-Arbeit dar. Sie macht sichtbar, dass Beiträge gehört werden und dass Gespräche weitergeführt werden sollen. Untersuchungen der Universität Mainz zeigen, dass Vertrauen auch damit zusammenhängt, wie respektvoll und sachlich öffentliche Diskussionen erlebt werden. Das ist ein starkes Argument für redaktionell betreute Räume.

Moderation heißt nicht, Diskussionen eng zu führen. Im Gegenteil: Es geht darum, zuzuhören, präsent zu sein, zu spiegeln und Impulse zu geben, die Gespräche bereichern. Fachverlage haben dafür ideale Voraussetzungen. Ihre redaktionelle Kompetenz und die Kontinuität ihrer Arbeit schaffen Vertrauen, das sich in digitalen Räumen direkt auswirkt. Wer Moderation als Teil der publizistischen Arbeit versteht, schafft Bindung.

Community-Strategie für Fachverlage ab 2026

Community sollte man nicht als Projekt mit Start und Enddatum handhaben. Vielmehr bedarf es Pflege, Aufmerksamkeit und einer klaren Haltung. Vier Punkte unterstützen diesen Prozess:

  • Erfolg zeigt sich daran, dass Menschen wiederkommen
  • Offene Plattformen schaffen Zugang, eigene Räume vertiefen Bindung
  • Klare Zuständigkeiten machen Community-Arbeit wirksam
  • Redaktionelle Qualität stärkt Loyalität und Vertrauen

Der BDZV Trendbericht 2024 unterstreicht dies. Achtundachtzig Prozent der befragten Verlage sind überzeugt, dass höhere redaktionelle Qualität die Bindung zu Leser:innen erhöht.

Community-Arbeit ist also nicht als Zusatzaufgabe abzutun, sondern als Weiterentwicklung redaktioneller Arbeit wahrzunehmen.

Fazit

Community entsteht dort, wo Leute miteinander sprechen, sich einbringen und Resonanz erfahren. Sie lebt von Vertrauen, Kontinuität und echter Zuwendung zu Themen und Menschen. Fachverlage bringen alles mit, was solche Räume brauchen: kuratorische Kompetenz, Themenkenntnis und redaktionelle Integrität.

Wer Community als kontinuierliche Praxis versteht, gewinnt nicht nur Nähe und Bindung, sondern stärkt auch langfristig die Zukunft seines Hauses. Denn dort, wo miteinander gedacht und sich ausgetauscht wird, entstehen neue Sichtweisen, frühere Trendindikatoren und eine stärkere fachliche Reputation.

Wissen entsteht heute also nicht nur durch Publikation. Sie entsteht im Gespräch und im gemeinsamen Weiterdenken.

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So sichern Fachverlage ihren Erfolg zwischen Print und Online

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Digital wachsen

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So sichern Fachverlage ihren Erfolg zwischen Print und Online

Fast jeder zweite Euro in der Fachpresse wird heute digital verdient! Fachverlage stehen vor einem entscheidenden Wandel. Klassische Zeitschriften-Auflagen stagnieren oder sinken, während digitale Formate wie E-Learning-Angebote, spezialisierte Datenbanken und Online-Events zweistellige Wachstumsraten erzielen. Wer seine Geschäftsmodelle jetzt anpasst, kann neue Wachstumsfelder erschließen und seine Marktposition sichern.

Die Fachpresse-Statistik 2024 zeigt: Der Gesamtumsatz der Fachmedienhäuser lag bei 8,55 Milliarden Euro – davon 3,93 Milliarden Euro (46 Prozent) aus digitalen Angeboten. Print sank um 5 Prozent, digitale Produkte wuchsen um 6,7 Prozent. Besonders E-Learning, Datenbanken und Online-Events legten zu. Laut dem MVFP (Medienverband der freien Presse) erzielen inzwischen 60 Prozent der Fachverlage Umsätze mit digitalen oder hybriden Angeboten.

Fachverlage müssen ihre Stärken – Expertise, Vertrauen und Fachwissen – mit digitalen Formaten verbinden, um relevant zu bleiben. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf eine Auswahl der wichtigsten Handlungsfelder, die den digitalen Wandel konkret unterstützen.

1. Zielgruppen wirklich verstehen

Digitale Angebote wirken nur, wenn sie zielgerichtet entwickelt werden. Wer seine Leserschaft genau kennt, trifft bessere Entscheidungen zu Formaten, Preismodellen und Kanälen.

Das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) betont: Nutzer erwarten personalisierte und adaptive Informationsangebote.

Praktische Maßnahmen für Fachverlage:

  • Analysieren Sie, welche Themen in Fachartikeln oder Datenbanken am häufigsten genutzt oder heruntergeladen werden. 
  • Prüfen Sie, ob Webinare und Online-Events den Weiterbildungserfolg und aktive Teilnehmerzahlen fördern. 
  • Werten Sie Kennzahlen wie Verweildauer, Downloads oder aktive Teilnahme aus, um echten Mehrwert zu erkennen.

Sobald die Zielgruppe klar definiert ist, gilt es, die richtigen technischen Grundlagen zu schaffen, damit Inhalte effizient ausgespielt werden.

2. CMS und Mobile: Effizienz sichern

Ein modernes CMS (Content-Management-System) ist das Rückgrat digitaler Prozesse. Headless-CMS-Lösungen ermöglichen zentrale Verwaltung und Ausspielung auf Website, App, Newsletter oder Partnerplattformen.

Der Bitkom Digital Office Index 2024 zeigt: Unternehmen mit gut integrierten Systemen arbeiten effizienter und flexibler.

Checkliste CMS für Fachverlage:

  • Inhalte automatisch auf Website, App und Newsletter ausspielen
  • Schnittstellen zu Fachportalen oder Bibliotheksplattformen nutzen 

Ladezeiten und Benutzerfreundlichkeit auf Smartphones prüfen (StatCounter)

3. KI und Automatisierung: Mehr Zeit für Inhalte

Künstliche Intelligenz hilft bei Strukturierung, Metadatenvergabe, Recherche und Themenanalyse. So gewinnen Redakteur:innen Zeit für anspruchsvolle Inhalte und die kontinuierliche Pflege von Expertenwissen.

Über 70 Prozent der Fachverlage nutzen bereits KI-Tools für Themenanalyse, SEO und Personalisierung (Fachpresse-Statistik 2024).

4. Geschäftsmodelle entwickeln

Digitale Geschäftsmodelle funktionieren selten mit nur einem Erlösstrom. Fachverlage kombinieren:

  • Abos
  • Lizenzen und Paywalls
  • Memberships
  • Micropayments
  • Unternehmenslösungen

Besonders erfolgreich sind hybride Modelle, die Webinare mit Fachprüfungen verbinden, Unternehmenslizenzen für Datenbanken anbieten oder Tools für Workflow-Optimierung bereitstellen.

Tipp: Kommunizieren Sie klar, welchen Mehrwert Ihre digitalen Produkte liefern, und nutzen Sie zusätzliche Erlösquellen aktiv. Mit den richtigen Geschäftsmodellen wird Produktmanagement anschließend zum Motor für schnelle Tests und Skalierung.

5. Produktmanagement: Ideen schneller testen

Gutes Produktmanagement beschleunigt die digitale Transformation. Die Studie „Produktmanagement 2.0 für Fachverlage“ zeigt: Innovationszyklen werden kürzer, datenbasierte Entscheidungen wichtiger.

Praxisbeispiele:

  • Wöchentliche Nutzungsstatistiken auswerten
  • Feedbackrunden nach Webinaren durchführen
  • Pilotreihen für neue digitale Formate testen

So entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, bevor Inhalte, Preise oder Kanäle vollständig ausgerollt werden.

Herausforderungen erkennen und meistern

Digitale Transformation ist kein Selbstläufer. Fachverlage stehen vor steigenden Kosten, sinkenden Werbeerlösen und teurer IT. Fachkräftemangel in Digital Marketing und Datenanalyse verschärft die Situation.

Investitionen in digitale Kompetenzen und Infrastruktur sind entscheidend. Starten Sie mit kleinen Projekten, wie etwa einem E-Learning-Kurs oder einer Mini-Subscription für eine Datenbank. Definieren Sie klare KPIs, wie zum Beispiel Nutzerzahlen, Abonnentenwachstum oder Event-Teilnahmen. Testen Sie kontinuierlich neue Formate und sammeln Sie Feedback. So werden Risiken minimiert und innovative Angebote gleichzeitig gefördert.

Fazit: Chancen aktiv gestalten

Digitale Transformation bedeutet, Stärken neu zu denken. Fachverlage verfügen über Expertise, Vertrauen und Inhalte, von denen Menschen wirklich profitieren können. Wenn diese Qualitäten mit moderner Technologie, Datenkompetenz und vielfältigen Erlösmodellen kombiniert werden, entsteht Zukunftsfähigkeit.

Wer heute investiert – in Systeme, Wissen und Menschen – kann in den nächsten Jahren wachsen. Digitalisierung ist als dauerhafter Prozess zu sehen und erfordert Mut, Ausdauer und Neugier. Fachverlage, die diesen Weg bewusst gehen, stellen sich auch langfristig sicher auf.

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Paid Content, der funktioniert

So sichern Verlage ihre Zukunft

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Paid Content, der funktioniert

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Paid Content, der funktioniert:

So sichern Verlage ihre Zukunft

Wann haben Sie das letzte Mal einen gedruckten Fachartikel gekauft? Vermutlich ist das schon etwas länger her. Deshalb reden wir heute über Paid Content und wie Verlage damit nicht nur überleben, sondern auch wachsen können.

Print hält sich noch irgendwie, aber digital muss jeder Euro sitzen. Die Anzeigenmärkte schrumpfen, die Kosten steigen und gleichzeitig erwarten Leser:innen exzellente Online-Inhalte. Paid Content ist deswegen nicht als nettes Extra zu betrachten, sondern als wichtiger Baustein für ein stabiles digitales Geschäftsmodell.

Immerhin zeigt der Digital News Report 2025 deutlich: Menschen sind weiterhin bereit, für hochwertige Inhalte zu bezahlen. Gleichzeitig ist der Printmarkt eingebrochen: In den USA zum Beispiel fielen die Umsätze von rund 50 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf weniger als 20 Milliarden Dollar (U.S. Census Bureau).

Paid Content können Sie sich vorstellen wie ein digitales Buffet. Ihre Leser:innen nehmen sich das, was für sie relevant ist, während Sie sich damit eine verlässliche Einnahmequelle schaffen.

Welche Paid-Content-Modelle bringen wirklich Umsatz?

Das Fundament bilden Abos. Diese bringen planbare Einnahmen, binden Kund:innen und ermöglichen Prognosen. Besonders beliebt sind sogenannte All-you-can-read-Modelle. Das bedeutet, dass Abonnent:innen für einen festen Preis Zugriff auf alle Inhalte erhalten. Das bietet Komfort pur und einen klaren Mehrwert.

Micropayments klingen verlockend, weil sie den Kauf einzelner Artikel ermöglichen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Laut einer Analyse des Digital News Report 2023 gaben weltweit weniger als 3 % der Konsument:innen an, ein solches Einmalzahlungssystem genutzt zu haben.

Paywalls sind das Werkzeug, mit dem Sie Inhalte steuern. Eine harte Paywall bedeutet: Alles hinter der Bezahlschranke ist exklusiv. Metered Paywalls lassen Gelegenheitsleser:innen ein paar Artikel kostenlos lesen, bevor eine Zahlung nötig wird.

Freemium-Modelle kombinieren kostenlose Inhalte mit Premium-Artikeln. Als erprobte Strategie gilt es, einen Artikel pro Woche kostenlos anzubieten und danach die Paywall zu aktivieren. So testen Sie die Zahlungsbereitschaft Ihrer Zielgruppe.

Preismodelle clever gestalten

Wie viel ist ein Fachartikel wert? Mehr, als viele Verlage denken. Eine Studie im Fachjournal Journalism zeigt: Die Zahlungsbereitschaft steigt, wenn Inhalte exklusiv und relevant sind.

Drei Stellschrauben für den Preis sind:

  • Wertbetonung: Machen Sie klar, warum der Inhalt unverzichtbar ist.
  • Bundle-Strategie: Thematische Pakete erhöhen den wahrgenommenen Nutzen.
  • Dynamische Modelle: Preise variieren nach Nutzung oder Zielgruppe.

Ein einfacher Test hilft: Würde jemand zahlen, wenn der Artikel nur bei Ihnen verfügbar wäre? Wenn ja, sind Sie auf dem richtigen Weg.

Checkout und Technik: Der unsichtbare Umsatzkiller

Der Bezahlprozess ist der Moment der Wahrheit. Laut Baymard scheitern bis zu 70 Prozent der Käufe an komplizierten Abläufen. Das ist, als würden Sie einen Coffee-to-go bestellen und der Barista verlangt, dass Sie dafür ein Kundenkonto mit Passwort und Sicherheitsfragen anlegen.

Was funktioniert?

  • Mobile-optimierte Seiten
  • One-Click-Payment (Bezahlen mit nur einem Klick)
  • Gast-Checkouts, bei denen kein Account nötig ist
  • Klare, transparente Preise

Auch eine optimierte Nutzerführung kann die Conversion-Rate, also die Zahl der Käufe, um bis zu 35 Prozent steigern (Baymard Research).

Technisch setzen viele Verlage auf Zahlungsanbieter wie Stripe oder Adyen, Abo-Management-Systeme wie Piano oder Chargebee und Single Sign-On für institutionelle Kund:innen.

Leserbindung: Beziehung statt Reichweite

Der Kauf ist erst der Anfang. Wer langfristig Leser:innen halten will, muss Beziehungen aufbauen.

Newsletter sind hier unschlagbar: Sie bringen im Schnitt 36 Dollar pro investiertem Dollar (OptinMonster). Auch Landing Pages steigern die Conversion, vor allem wenn sie durch A/B-Tests optimiert werden.

Noch besser:

  • Webinare
  • Fachforen
  • Exklusive Events

Das alles schafft Communities, und diese sind mehr wert als reine Reichweite. Wichtig ist jedoch: Die meisten Abos entstehen nicht beim ersten Kontakt. Mehrere Berührungspunkte sind die Regel.

Trends: KI, Personalisierung und Audioformate

Die Zukunft ist digital, personalisiert und multimedial. Untersuchungen zeigen: 81 Prozent ignorieren irrelevante Inhalte und 96 Prozent kaufen eher, wenn Botschaften personalisiert sind (BusinessWire).

Was kommt auf Verlage zu?

  • KI-basierte Empfehlungen für Inhalte und dynamische Preise

  • Thematische Bundles für zusätzlichen Nutzen

  • Audio-Formate: Podcasts boomen. Der globale Podcast-Werbemarkt knackt 2025 die 5-Milliarden-Dollar-Marke (Inside Audio Marketing).

Stellen Sie sich Ihr Fachjournal als Podcast-Serie vor, ergänzt durch KI-gesteuerte Empfehlungen und Ihre Leser:innen hören Sie beim Joggen. Das mag futuristisch klingen, ist aber bereits problemlos umsetzbar.

Fazit: Paid Content ist Teamarbeit

Erfolg entsteht, wenn alles zusammen spielt: Inhalte, Technik, Marketing und Community. Verlage, die ihre Leser:innen in den Mittelpunkt stellen und intensiv testen, gewinnen Vertrauen und Umsatz.

Als wichtigste Punkte hierbei sind zu beachten:

  • Hochwertige Inhalte sind Ihr stärkster Differenzierungsfaktor.

  • Ein einfacher, sicherer Checkout entscheidet über Kauf oder Abbruch.

  • Marketing bedeutet nicht nur Werbedruck, sondern Beziehungspflege.

  • Events, Webinare und Communities schaffen Loyalität.

  • KI, Audio und flexible Preismodelle eröffnen neue Chancen.

Wer diese Bausteine kombiniert, macht in puncto Paid Content keine wahllosen Experimente, sondern kreiert ein solides Geschäftsmodell..

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Verantwortungsvoller Einsatz von KI im Verlagswesen

Ethik, Recht und Nachhaltigkeit

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Der EU AI Act und was Verlage jetzt wissen müssen

Der EU AI Act und was Verlage jetzt wissen müssen

Der EU AI Act und was Verlage jetzt wissen müssen

Pflicht zur KI-Schulung und Compliance ab 2025

Wie wir alle wissen, ist Künstliche Intelligenz (KI) längst kein Science-Fiction-Thema mehr, sondern hat bereits in vielen Redaktionen Einzug gehalten. Ab 2025 gilt mit dem EU AI Act nun ein neuer Rechtsrahmen, der auch für Verlage wichtige Pflichten mit sich bringt. Dazu gehören zum Beispiel die Schulung von Mitarbeitenden, die KI nutzen, und klare Regeln für den Umgang mit KI-Systemen. Wie Sie sich als Verlag optimal vorbereiten und die neuen Vorgaben sicher umsetzen, erfahren Sie hier.

Der EU AI Act: Europas Antwort auf die KI-Revolution

Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende Regulierung für Künstliche Intelligenz. Er wurde schon im Frühjahr 2024 vom Europäischen Parlament verabschiedet, und der Großteil der Vorschriften trat am 2. Februar 2025 in Kraft. Ziel des Gesetzes ist es, KI sicher, transparent und verantwortungsvoll einzusetzen, ohne dabei die Innovationskraft zu bremsen.
Der Ansatz ist risikobasiert. Das bedeutet: Je höher das Risiko einer KI-Anwendung für Nutzer oder Gesellschaft, desto strenger sind die Anforderungen. Viele KI-gestützte Werkzeuge, die Verlage heute nutzen, fallen in den Regelungsbereich – etwa GPT-basierte Texterstellung, automatische Transkriptionen oder personalisierte Inhalte.

Schulungen der Mitarbeitenden: Wissen ist Pflicht, keine Kür

Ab 2025 müssen Unternehmen ihre Mitarbeitenden schulen, wenn sie mit sogenannten Hochrisiko-KI-Systemen arbeiten. Artikel 4 des AI Act fordert, dass alle Betroffenen qualifiziert sind, um KI-Systeme sicher und korrekt zu bedienen.

Das betrifft nicht nur IT-Fachkräfte. Auch Redakteurinnen und Redakteure, Führungskräfte und Produktverantwortliche sollten die Funktionsweise von KI verstehen, die Risiken kennen und wissen, wie man sie verantwortungsvoll nutzt.

EU-Kommissarin Margrethe Vestager bringt es auf den Punkt. In einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 1. August 2024 meinte sie zur neuen KI-Regulierung: „KI hat das Potenzial, die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben, zu verändern und verspricht enorme Vorteile für die Bürger, unsere Gesellschaft und die europäische Wirtschaft. Der europäische Technologieansatz stellt den Menschen in den Mittelpunkt und gewährleistet, dass die Rechte aller gewahrt bleiben.“

Viele Verlage richten deshalb interne Workshops ein, um Mitarbeitende gezielt im Umgang mit KI-Tools zu schulen.

KI im Redaktionsalltag: Kollege Algorithmus

Künstliche Intelligenz (KI) kann den journalistischen Alltag deutlich effizienter gestalten. Eine Analyse von Vogue Business zeigt, dass bis zu 30 Prozent typischer redaktioneller Aufgaben automatisiert werden können, von Recherche über Datenanalyse bis hin zur Textproduktion.

Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von KI ist die Funke Mediengruppe. Sie nutzt KI-basierte Tools wie den „ad.creator“, um Audio-Werbespots und passende Display-Werbung automatisiert zu erstellen. Dieses Tool richtet sich insbesondere an kleinere Werbetreibende ohne eigene Marketingabteilung und ermöglicht die schnelle Produktion professioneller Werbemittel.

Darüber hinaus arbeitet die Funke Mediengruppe an der Personalisierung und automatisierten Gestaltung ihrer E-Paper-Ausgaben. Durch KI-gestützte Verfahren sollen Tageszeitungen individuell auf Leserinteressen zugeschnitten und effizienter produziert werden.

Wichtig jedoch ist: KI ersetzt nicht das journalistische Urteilsvermögen. Sie kann Fehler machen, verzerren oder Vorurteile reproduzieren. Deshalb sollten Verlage klare Regeln und Prozesse für die KI-Nutzung etablieren. Voraussichtlich wird es auch Pflicht, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen.

In fünf Schritten zur Compliance: So starten Verlage 2025

Damit Sie dem EU AI Act entspannt entgegenblicken, lohnt sich ein strukturierter Fahrplan:

  1. Bestandsaufnahme: Welche KI-Systeme nutzt Ihr Verlag bereits? Zum Beispiel GPT-3/4, Empfehlungsalgorithmen oder Transkriptionssoftware.

  2. Risikoanalyse: Der kostenlose EU AI Compliance Checker hilft bei der Klassifizierung Ihrer KI-Anwendungen.

  3. Verantwortlichkeiten klären: Wer ist für die Einhaltung der KI-Regeln im Verlag verantwortlich? Klare Zuständigkeiten sind unverzichtbar.

  4. Schulungsstrategie entwickeln: Maßgeschneiderte Trainings für verschiedene Teams, von der Redaktion bis zur Geschäftsleitung.

Dokumentation sicherstellen: Halten Sie alle Maßnahmen, Schulungsinhalte und Teilnehmenden fest. Das ist für interne Qualitätssicherung und mögliche Audits wichtig.

Transparenz schafft Vertrauen – bei Leserinnen und Lesern sowie Mitarbeitenden

KI kann viel, aber nicht alles. Wenn Verlage offenlegen, welche Inhalte mit KI-Unterstützung entstanden sind, stärken sie ihre Glaubwürdigkeit. Leserinnen und Leser erwarten Authentizität und können oft unterscheiden, ob ein Text von Menschen oder Maschinen stammt. Transparenz ist der Schlüssel, um Vertrauen langfristig zu sichern.

Fazit: Der EU AI Act als Chance für Verlage

Der EU AI Act bringt klare neue Pflichten für Verlage, fordert Transparenz und Schulungen. Gleichzeitig eröffnet er die Chance, KI sicher, produktiv und verantwortungsvoll zu nutzen. Wer frühzeitig seine Systeme kennt, Mitarbeitende schult und klare Prozesse etabliert, profitiert von effizienten Workflows und kann das Vertrauen seiner Leserinnen und Leser stärken.

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