SEO vs. GEO: Wie Verlagstitel in Google und in der KI-Suche gefunden werden
SEO vs. GEO: Wie Verlagstitel in Google und in der KI-Suche gefunden werden
Ein Klavier-Lehrbuch für Kinder ab fünf Jahren. Ein Buch für die Nichte, die Pferde liebt und gerade lesen lernt. Wer so etwas sucht, tippt nicht mehr nur Stichworte in Google ein, sondern stellt die Frage immer öfter direkt an ChatGPT, Gemini oder Perplexity und bekommt eine fertige Antwort samt Empfehlung. Für Verlage heißt das: Titel müssen auf zwei Wegen gefunden werden. Wir schauen uns an, was hinter SEO und GEO steckt, wie beide Suchwege arbeiten, warum das gerade jetzt wichtig wird und welche Faktoren jeweils zählen.
Was sind SEO und GEO?
SEO steht für Search Engine Optimization und umfasst alle Maßnahmen, mit denen Titel in klassischen Suchmaschinen wie Google oder Bing gut platziert werden. GEO steht für Generative Engine Optimization. Das klingt sperrig, meint aber etwas Naheliegendes: Maßnahmen, damit Titel in den Antworten von KI-Systemen wie ChatGPT, Gemini oder Claude genannt, empfohlen und zitiert werden. Das Ziel ist in beiden Fällen dasselbe, nämlich gefunden zu werden. Der Weg dorthin unterscheidet sich aber deutlich.
Wie funktioniert die Google-Suche?
Am anschaulichsten wird der Unterschied mit einer Bibliothekarin. Bei Google durchsucht sie ihren Index und ordnet die passenden Seiten, vor allem nach Keywords und Backlinks, also Verweisen anderer Seiten. Dann reicht sie den Suchenden eine Auswahl an Büchern, in Form von Links. Ob und wo hineingeschaut wird, entscheiden die Suchenden selbst, idealerweise landet ein Titel dabei auf den ersten Plätzen. Klassisches SEO bleibt deshalb wirksam.
Wie funktioniert die KI-Suche?
Die KI-Bibliothekarin reicht keine Bücher, sie liest selbst. Sie sucht bei Bedarf passende Quellen, verbindet eigenes Wissen mit dem Wissen aus diesen Quellen und formuliert direkt eine Antwort, oft mit Quellenverweisen und teilweise mit klickbaren Links. Entscheidend ist damit nicht mehr nur der Klick, sondern die Nennung in der Antwort. Genannt wird, was eindeutig und eigenständig beschrieben ist. Ist die Produktbeschreibung dünn oder steht sie wortgleich bei jedem Händler, findet die Bibliothekarin keinen Grund, gerade diesen Titel zu empfehlen.
Sind alle KI-Systeme gleich?
Nein, jedes System beschafft und belegt seine Antworten anders. ChatGPT ohne Websuche antwortet aus dem, was im Training gelernt wurde, ohne Live-Quellen. ChatGPT mit Suche und Perplexity recherchieren live im Web und nennen nummerierte Quellen, die aber nicht fehlerfrei sind: Im Test des Tow Centers der Columbia Journalism Review ordnete Perplexity 37 Prozent und ChatGPT Search 67 Prozent der geprüften Nachrichtenartikel falsch zu. Das
betraf Nachrichten und ist keine allgemeine Fehlerquote, zeigt aber, dass Quellenangaben nicht automatisch stimmen. Googles AI Overviews ziehen aus dem bestehenden Google-Suchindex, Gemini tut das mit dem sogenannten Search Grounding ebenfalls und antwortet sonst aus dem Training. Claude antwortet aus Trainingswissen, es sei denn, die Websuche ist aktiviert, dann mit Quellenangabe je Aussage. Konkret heißt das: AI Overviews bauen auf dem Google-Index auf, bei Perplexity und ChatGPT mit Suche zählt dagegen, welche Seiten live gefunden und gelesen werden können.
Warum ist das gerade jetzt wichtig?
Drei Entwicklungen zeigen, dass es nicht um ein Zukunftsthema geht.
Erstens verliert ein gutes Google-Ranking an Wirkung für KI-Antworten. Im Juli 2025 standen noch 76 Prozent der in Googles AI Overviews zitierten Seiten auch in den Top 10 der normalen Suche, Anfang 2026 waren es nur noch 38 Prozent. Fast ein Drittel der Zitate stammt inzwischen von Seiten außerhalb der Top 100. Je nach Studie fallen die Werte unterschiedlich aus, die Richtung ist aber dieselbe: Ein gutes Google-Ranking garantiert keine Nennung in der KI-Antwort mehr.
Zweitens ändert sich das Kaufverhalten. Laut einer repräsentativen Befragung von CELUM und TQS informieren sich 3 von 10 Deutschen zwischen 16 und 65 vor dem Kauf per KI-Chatbot über Produkte, fast ebenso viele über Googles KI-Zusammenfassungen. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es mehr als 4 von 10. Auch einer der wichtigsten Verkaufskanäle für Bücher setzt auf KI: Amazons Einkaufsassistent, seit Mai 2026 „Alexa for Shopping“ und vorher Rufus, wurde 2025 von mehr als 300 Millionen Kund:innen genutzt. Wer ihn nutzt, schließt laut Amazon mit 60 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit einen Kauf ab. Das sind Eigenangaben von Amazon und kein unabhängiger Nachweis, sie zeigen aber die Richtung: Eine Produktbeschreibung wird dort nicht mehr nur von Menschen gelesen, sondern von einer KI ausgewertet.
Drittens kommt Werbung dazu. Seit 2026 zeigt ChatGPT Anzeigen direkt unter der Antwort, seit August auch in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland und Österreich. Die Anzeige entsteht automatisch aus dem Produkt-Feed. Fehlen saubere, strukturierte Daten, fehlt der Titel auch bei der bezahlten Platzierung.
Welche Faktoren zählen für SEO und GEO?
Für SEO sind fünf Faktoren besonders wichtig. Erstens relevante Metadaten: Titel, Beschreibung, Schlagwörter und die übrigen Produktfelder liefern die Grundlage, um ein Produkt einzuordnen. Zweitens die richtigen Keywords, also die Begriffe, nach denen tatsächlich gesucht wird, etwa „Klavierschule Kinder“ oder „Klavier lernen ab 5“. Drittens hochwertige Produktseiten mit eigener Beschreibung statt Standardtext, denn wortgleiche Texte bei allen Anbietern bringen keine zusätzliche Sichtbarkeit. Viertens Vertrauenssignale wie die Verweise anderer Seiten, die Google neben den Keywords für die Rangfolge nutzt. Fünftens eine technische Basis, die dafür sorgt, dass Seiten und Daten überhaupt sauber gelesen werden können.
Für GEO zählen andere Dinge. Das erste sind strukturierte Informationen, also strukturierte Schlagwörter und klar gegliederte Angaben statt nur Fließtext in der Beschreibung. Dazu passt ein Satz von Alexandra Vetrovsky-Brychta, Chief Growth Officer bei CELUM: „Wer den Content nicht für Maschinen strukturiert, wird in der Entscheidungslogik der Agenten schlicht nicht mehr stattfinden.“ Das zweite sind strukturierte Daten im technischen Sinn, etwa nach schema.org, die einem Titel eine eindeutige Zuordnung geben. Drittens Autorität und Erwähnung: Titel und Verlag sollten auch dort präsent sein, wo KI-Systeme zitieren. Viertens eine eindeutige Positionierung, denn genannt wird, was eindeutig und eigenständig beschrieben ist. Fünftens konsistente Daten. Weil dieselben Felder mehrere Kanäle speisen, wirken Lücken überall, und veraltete Einträge führen zu falschen KI-Antworten.
Was bedeutet das für Verlage?
Unterm Strich ersetzt GEO das klassische SEO nicht, es kommt hinzu. Viele Faktoren überschneiden sich, denn dieselben Produktfelder speisen Webshop, VLB, Google-Suche und KI-Suche zugleich. Wer seine Metadaten vollständig, eigenständig und konsistent pflegt, tut deshalb für beide Wege etwas. Neu ist, dass Maschinen die Daten nicht mehr nur durchsuchen, sondern lesen, bewerten und in eigenen Worten weitergeben. Welche Daten das konkret sind und wie sie sich verbessern lassen, schauen wir im nächsten Beitrag an.
Zwei Wege, ein Ziel
SEO und GEO sind keine Gegner, sondern zwei Wege zum selben Ziel. Wer beide im Blick behält, sorgt dafür, dass Titel gefunden werden, egal ob jemand sucht oder fragt.
Quellen
Ahrefs (02.03.2026): Update: 38% of AI Overview Citations Pull From The Top 10. https://ahrefs.com/blog/ai-overview-citations-top-10/
Google Search Central: In-Depth Guide to How Google Search Works. https://developers.google.com/search/docs/fundamentals/how-search-works
OpenAI Help Center: Searching the web with ChatGPT. https://help.openai.com/en/articles/9237897-searching-the-web-with-chatgpt
Anthropic: Web search tool (Dokumentation). https://platform.claude.com/docs/en/agents-and-tools/tool-use/web-search-tool
Tow Center / Columbia Journalism Review (06.03.2025): AI Search Has a Citation Problem. https://www.cjr.org/tow_center/we-compared-eight-ai-search-engines-theyre-all-bad-at-citing-news.php
CELUM / TQS (Pressemitteilung vom 29.06.2026): KI als Gamechanger beim Shopping, repräsentative Online-Befragung, n = 1.000, 27.03. bis 17.04.2026. https://www.presseportal.de/pm/182916/6304021
Amazon: Ergebnisbericht Q4 2025 (05.02.2026). https://www.aboutamazon.com/news/company-news/amazon-earnings-q4-2025-report
Amazon: KI-Shopping-Funktionen (2025). https://www.aboutamazon.com/news/retail/amazon-agentic-ai-gen-ai-shopping
OpenAI (18.08.2026 und 31.08.2026): ChatGPT Ads expands across Europe und A milestone in expanding access to AI. https://openai.com/de-DE/index/chatgpt-ads-expands-across-europe/ und
https://openai.com/de-DE/index/expanding-access-to-ai-with-chatgpt-ads/